Tipps & Tricks
9. September 2026 · 4 Min. Lesezeit
Wir sind nicht fotogen: Natürliche Hochzeitsfotos ohne Druck
Ihr fühlt euch vor der Kamera unsicher? Ich erzähle euch, wie ich Paarfotos beginne, Sicherheit gebe und warum ihr dafür keine Posen einüben müsst.
Von Stefan Franke · Hochzeitsfotograf in Hessen

„Wir sind nicht fotogen.“ Diesen Satz höre ich von Paaren häufig. Manchmal kommt er schon vor den ersten Bildern, manchmal merke ich die Unsicherheit zunächst an einer zurückhaltenden Körpersprache. Für natürliche Hochzeitsfotos müsst ihr bei mir keine Posen beherrschen. Ich erkläre euch, was wir machen, beginne einfach und gebe euch Zeit, vor der Kamera anzukommen.
Als Hochzeitsfotograf in Hessen gehört das für mich zur Begleitung dazu. Die ersten Minuten sind vor allem dafür da, eine gute Atmosphäre zwischen uns zu schaffen. Die Bilder entstehen auf dieser Grundlage.
Am Anfang reden wir erst einmal miteinander
Unsicherheit ist vor der Kamera nicht immer still. Es wird auch viel gelacht. Ich meine damit dieses Lachen, das eher aus Verlegenheit kommt als aus einer lustigen Situation. Zusammen mit der Körpersprache gibt mir das einen Hinweis darauf, wie sich ein Paar gerade fühlt.
Dann hilft es mir wenig, sofort mit der nächsten Pose anzufangen. Ich frage lieber, wie es euch geht und ob ihr aufgeregt seid. Ich greife auf, was gerade da ist: euer Brautkleid, den Anzug, die Mühe, die ihr euch für diesen Tag gemacht habt. Und ich sage euch auch, dass ihr gut ausseht.
Mir ist wichtig, dass ihr merkt: Ihr könnt hier nichts falsch machen. Ihr müsst weder wissen, wohin mit den Händen, noch schon beim ersten Bild eine bestimmte Wirkung erzielen. Dafür bin ich da.

Klare Hinweise geben Sicherheit
Bevor wir loslegen, erkläre ich kurz, wie ich mit euch arbeite. Wenn ich eine Blickrichtung nenne oder euch bitte, euch etwas zu drehen, sollt ihr verstehen, was gemeint ist. Auch die Kamera gehört dazu: Ich weise darauf hin, wenn kein Auslösegeräusch zu hören ist. Ihr sollt nicht rätseln müssen, ob gerade schon Bilder entstehen.
Diese kleinen Hinweise nehmen eine Menge Unsicherheit. Ihr bekommt mit, dass ich den Ablauf kenne und euch durch die Aufnahmen führe. Das ist für mich eine Frage guter Kommunikation.
Die ersten Positionen bleiben einfach. Nebeneinander stehen reicht für den Anfang. Es geht nicht darum, etwas Kompliziertes nachzubauen oder eine akrobatische Leistung abzuliefern. Erst einmal sollt ihr spüren, dass ihr euch auf meine Hinweise verlassen könnt.

Es geht um euch zusammen
Ein Gedanke hilft meinen Paaren oft besonders: Es geht bei den Paarfotos um euch beide zusammen. Ihr müsst euch nicht einzeln vor der Kamera beweisen. Ich möchte zeigen, wie ihr miteinander seid und was euch als Paar verbindet.
Dieser Wechsel der Perspektive kann viel Druck nehmen. Die Aufmerksamkeit liegt dann weniger auf der Frage, wie jeder für sich aussieht, und mehr auf dem Menschen neben euch. Für mich ist das die Grundlage für Bilder, in denen ihr euch später wiedererkennt.
Ich denke dabei nicht an eine einzige Hochzeit. Diese Veränderung erlebe ich bei vielen Paaren. Oft ist nach ungefähr 15 Minuten schon eine andere, entspanntere Atmosphäre da. Manche brauchen länger. Die Viertelstunde ist deshalb kein Ziel, das ihr erreichen müsst, sondern eine Beobachtung aus meiner Arbeit.

Warum ich von festen Posenlisten abrate
Was ihr vor den Paarfotos aus meiner Sicht nicht braucht, ist ein Katalog von Bildern, die wir nachstellen sollen. Eine Pinterest-Sammlung kann eine grobe Idee vermitteln. Als feste Liste für eure Hochzeit hilft sie mir wenig.
Auf einem Beispielbild seht ihr das Ergebnis einer anderen Situation. Ob sich diese bei euch wiederholen lässt, hängt von vielen Dingen ab: vom Wetter, vom tatsächlichen Platz an der Location und davon, wie es euch in diesem Moment geht. Vielleicht war der Morgen hektisch. Vielleicht liegt der Brautstrauß noch woanders. Eure Hochzeit bringt ihre eigenen Bedingungen mit.
Wenn wir uns dann an einer bestimmten Vorlage festhalten, entsteht schnell eine Erwartung, die nicht zum Tag passt. Ich möchte lieber mit euch und dem arbeiten, was vor Ort möglich ist. Meine besten Erfahrungen mache ich mit Paaren, die dafür offen sind.

Was ihr vor den Paarfotos mitbringen könnt
Ihr dürft mir sagen, dass ihr unsicher seid. Ihr dürft Wünsche haben und auch sagen, wenn sich eine Idee für euch nicht gut anfühlt. Offen an die Bilder heranzugehen bedeutet für mich nicht, die eigenen Grenzen abzugeben.
Lasst vor allem den Anspruch zu Hause, bestimmte Posen abliefern zu müssen. Lernt lieber den Menschen kennen, der euch fotografiert, und schaut, ob seine Art der Begleitung zu euch passt. Wie ich arbeite, erzähle ich euch auch auf meiner Über-mich-Seite. Beim Vergleichen helfen euch außerdem ganze Bildergeschichten statt einzelner Lieblingsfotos.
Wenn ihr zu Beginn einfach nebeneinander steht und noch ein bisschen unsicher seid, können wir damit anfangen. Den nächsten Schritt erkläre ich euch.



